Die Flusstäler

Die Varde Å - Die Holme Å - Die Vejle Å - Feuchtwiesen und ihre Bewässerung

Die Varde Å

Die Mündung der Varde Å in die Ho Bucht

Die gewaltige Varde Å vereint die Flüsse Grindsted Å, Ansager Å und Holme Å in sich und mündet in der Ho Bucht ins Meer. Die Varde Å ist der einzige Fluss, der ohne Schleusen ungehindert ins Wattenmeer fließt. Darum beeinflussen die Gezeiten die Feuchtwiesen entlang ihres Unterlaufs. Sie hat noch immer einen natürlichen Lachsbestand und beheimatet ebenfalls den Schnäpel, eine wenig bekannte Lachsart. Die Strecke unterhalb des Wasserkraftwerks von Karlsgårde ist der einzige Ort in Dänemark, an dem man Flussperlmuscheln finden kann.

Der Fluss war früher voller Windungen und bot gute Lebensräume für den Lachsbestand. Mit dem Bau des Werks von Karlsgårde fand der gewundene Lauf des Flusses jedoch ein jähes Ende: 1930 begann eine umfassende Begradigung von 20 Flusswindungen unterhalb des Wasserkraftwerks.

1940-60 wurde am Oberlauf der Varde Å ein 10 Kilometer langer Kanal zum See von Karlsgårde angelegt, der 90 Prozent des Wassers aus der Varde Å zum Wasserkraftwerk leitete. Auch auf dieser Strecke wurde der Fluss begradigt und vertieft und 35 Windungen verschwanden. Die vielen Eingriffe in den Wasserlauf und die Verschmutzung durch das damalige Grindstedwerk führten dazu, dass Lachse und Flussperlmuscheln fast völlig verschwanden. 

Renaturierung der Varde Å

Renaturierung bei Kongens Kær

Auf Grund der vielen Eingriffe wurde eine umfassende Renaturierung des Flusses nötig, damit sich die natürliche Flora und Fauna erneut im Fluss ansiedeln konnte. Ein zarter Anfang wurde im Jahr 2000 gemacht: Vier Flusswindungen der Varde Å bei Kongens Kær wurden wiederhergestellt (Karte 4) und somit wurde die Länge einer früher 1.400 Meter langen begradigten Strecke durch Renaturierung verdoppelt. Für die Lachse und Flussperlmuscheln wurden zusätzlich 11 Kiesbänke am Bachboden angelegt.

Im Rahmen eines EU-LIFE-Projekts wurde für die bedrohte Lachsart Schnäpel beschlossen, den Fluss zwischen Ansager und Nørholm umfassend zu renaturieren. Durch Stilllegung des Stauwerks und des Kanals von Ansager sollen ca. 35 Flusswindungen wiederhergestellt und das Wasser zurück in die Varde Å geleitet werden. Die Wassermenge im See von Karlsgårde wird jedoch immer noch sehr groß sein. Die Arbeiten werden voraussichtlich 2008/2009 beginnen.

Die Holme Å

Spaziergang an der Holme Å

Die Holme Å hat noch heute ihre ursprüngliche Windung – eine Seltenheit in Dänemark. Die vielen Buchtungen und Windungen bieten Lebensraum für ein vielfältiges Tier- und Pflanzenleben, das in den begradigten Wasserläufen nicht zu finden ist. Der Fluss schlängelt sich durch eine herrliche Landschaft mit Feuchtwiesen, Mooren und Wäldern. Aber die Idylle trügt: Sechs Fischzuchtbetriebe stauen das Wasser wodurch es für die Wanderfische Lachs und Forelle schwierig, und an manchen Stellen unmöglich ist, zu ihren Laichplätzen zu gelangen.

Am Unterlauf der Holme Å ist die Wasserdurchführung zu gering und das Wasser darum sehr ockerhaltig. Das ist dadurch zu erklären, dass das Stauwerk von Hostrup (Karte 5) 95 Prozent des Flusswassers durch einen Kanal zum künstlich angelegten See von Karlsgårde führt. Der See wurde 1920 als Wasserreservoir für das Wasserkraftwerk von Karlsgårde angelegt. In den ersten Jahren hatte das Werk große Bedeutung für die Stromversorgung in Westjütland, heute jedoch deckt die Stromerzeugung lediglich den Verbrauch von ca. 1.000 Haushalten. In Verbindung mit der Renaturierung der Varde Å wird das Werk stillgelegt und arbeitet nur noch im Rahmen des Museumsbetriebs des Werks.

Die Vejle Å

Die Vejle Å. Foto: Cees van Roeden

Das Flusstal von Vejle erstreckt sich vom Vejle-fjord bis Spjarup. Westlich des Fjordes liegt das gewaltige Tal. Bei Skibet verengt sich das Tal plötzlich auf nur 1 Kilometer, ist nun tief und steil und zieht sich genau nach Südwesten in Richtung Spjarup. Bei Lihmskov dreht die Vejle Å nach Nordosten ab und fließt in den See von Engelsholm. Dieser Teil des Flusstals entstand vermutlich durch Erosion und unterscheidet sich geologisch gesehen vom restlichen Flusstal, das in erster Linie vom Eis geformt wurde.

Die Naturtypen in der Region wechseln zwischen trockenen, nährstoffarmen Wiesen an den Hängen des Flusstals und üppigen, nährstoffreichen Mooren unten im Tal. Hier gibt es Feuchtwiesen und Gebüsch, so weit das Auge reicht, eingerahmt von Hängen, die sich am Fluss wellen.

Der Lauf der Vejle Å ist oft verändert worden, sowohl um die Wasserkraft zu nutzen als auch in Verbindung mit der Dränage des Umlandes. Nicht weniger als 35 Wassermühlen haben im Laufe der Zeit die Wasserkraft genutzt.

Natursanierung

1998 wurde bei Haraldskær ein Teil der natürlichen Windungen wiederhergestellt. In den kommenden Jahren soll eine lange Reihe Naturprojekte im Flusstal die Naturerlebnisse und Erholungsmöglichkeiten noch weiter verbessern. Unter anderem sollen weitere Strecken renaturiert werden. Die Einrichtung von Ökokorridoren und Laichplätzen und die Schließung von Fischzuchtbetrieben sollen zu einer besseren Wasserqualität beitragen.

Feuchtwiesen und ihre Bewässerung

Beweidete Feuchtwiesen im Flusstal der Vejle Å. Foto: Cees van Roeden

Früher wurden alle Feuchtwiesen an den Wasserläufen beweidet oder für die Heugewinnung genutzt. Um die Feuchtwiesen so fruchtbar wie möglich zu machen, wurden sie mit dem nährstoffreichen Wasser aus dem Fluss bewässert. Das Wasser wurde gestaut und durch Kanäle parallel zum Fluss geleitet. So konnte es in die Wiesen sickern und sie düngen. An den Flüssen findet man noch heute Spuren der alten Bewässerungskanäle - sie sind manchmal jedoch schwer auszumachen. Mit der Einführung des Kunstdüngers verloren die Feuchtwiesen ihre Existenzberechtigung. Beweidung und Heugewinnung finden heute nur vereinzelt statt. Darum haben Weidegestrüpp und Schilf nach und nach viele Feuchtwiesen überwuchert.